In diesem Blogbeitrag geht es um Möglichkeiten, MATLAB Lizenzkosten durch entsprechendes Lizenzmanagement zu senken. Es wird auf Lizenznutzung und Nutzung von Features eingegangen, ebenso auf selbstprogrammierte Lösungen von Organisationen, und warum diese nicht zwangsläufig Kosten senken, sondern auch Mehrausgaben verursachen können.

Kosteneinsparung durch effiziente MATLAB-Lizenzierung unter Berücksichtigung von Toolboxen

Was ist MATLAB eigentlich?

MATLAB ist eine Plattform von MathWorks zur Programmierung und zu numerischen Berechnungen. Ingenieure und Wissenschaftler nutzen MATLAB zur Analyse von Daten, Entwicklung von Algorithmen und Erstellung von Modellen. MATLAB und Simulink kommen in nahezu allen Branchen zum Einsatz, mitunter in der Automobilindustrie, bei Schienenverkehrs-Systemen und medizinischen Geräten.

MATLAB Lizenzmanagement für Organisationen

Gehört man nicht gerade zu den Start-Ups, die in ihren speziellen Lizenzpaketen auch gleich ein großes Angebot an Add-Ons nutzen dürfen, oder Privatpersonen, deren Nutzung ohnehin überschaubar bleibt, so lohnt es sich auf jeden Fall, sich näher mit dem Thema Lizenzmanagement für MATLAB zu beschäftigen.

Die fixe Jahreslizenz von MATLAB ist an für sich gar nicht so teuer. Die eigentlichen Kosten entstehen durch die Summe an Nutzern und die Anzahl gebuchter Erweiterungen, was für größere Organisationen schnell eine hohe Investition und in den Folgejahren entsprechend hohe Wartungskosten werden können. 

Ansätze für eine Lizenzoptimierung von MATLAB

Was bringt eine Lizenzinventur?

Mit einer einfachen Lizenzinventur kann man einen groben Überblick über den Einsatz von MATLAB innerhalb der Organisation erhalten. Damit kann man dann die Anzahl an Lizenzen mit der Anzahl an Nutzern abgleichen, welche die Software nutzen sollen bzw. dürfen.

Dabei lässt sich vielleicht die ein- oder andere vergessene Deprovisioning nachholen. Zum Beispiel, wenn der Mitarbeiter das Unternehmen verlassen hat, oder wenn sich seine Zuständigkeit geändert hat, und er somit auch die MATLAB-Lizenz nicht mehr benötigt.

Das wars dann aber auch, eine Lizenzinventur ist für professionelles Lizenzmanagement von MATLAB schlichtweg ungenügend. Aber warum?

Warum lassen sich MATLAB-Lizenzen so schwer optimieren?

Die Optimierung von Engineering Lizenzen, zu denen auch MATLAB zählt, geht weit über eine einfache Lizenzinventur und Neuausrichtung entsprechend dieser hinaus. Sie wird von verschiedenen Faktoren geprägt. Eine dieser Faktoren sind die komplexen Lizenzmodelle, mit denen Softwarehersteller wie Mathworks ihre Software bereitstellen.

Im Vergleich zu anderen Softwareprodukten aus dem Engineering-Bereich sind die MATLAB Lizenzierungsoptionen sogar noch verhältnismäßig überschaubar. Bei Siemens NX gibt es derzeit beispielsweise vier verschiedene Siemens NX „Mach“-Pakete, die auch in Lizenzpools zusammenkommen können, und dazu noch Token/Value-Based Lizenzen.

Im Falle von MATLAB sind es vor allem die Toolboxen, die je nach Erweiterung sehr unterschiedlich hohe Kosten verursachen können. Generell hängen die MATLAB-Lizenzkosten stark vom Lizenzmodell ab und variieren nach Region, Volumenrabatt und teils individuellen Verhandlungen.

Es folgen ein paar Preisbeispiele zur Veranschaulichung (Stand Dez 2025). Die Standardversion für MATLAB kostet in Deutschland 938€ pro Jahr. Der MATLAB Report Generator, welcher eine MATLAB Lizenz voraussetzt, kostet 804€ pro Jahr. Die Model Predictive Control Toolbox kostet 1.415€ pro Jahr und setzt neben der MATLAB-Standardlizenz noch die Control System Toolbox für wiederum 536€ voraus. Die wirklich teuren Toolboxen sind aber eigentlich die Coder Toolboxen, deren Preis nur auf Anfrage erhältlich ist.

Wie lassen sich nun aber MATLAB-Lizenzkosten senken?

Um die günstigste Kombination für MATLAB-Lizenzen und Toolboxen zu finden, benötigt eine Organisation eine gute Einschätzung über die Nutzung der Software. Im Kern geht es eigentlich um die Frage: Welche Lizenzen brauchen wir, um möglichst viel Nutzen daraus zu ziehen und möglichst wenig dafür zu bezahlen?

Dabei spielt es beispielsweise eine Rolle, ob ein User eine Concurrent Lizenz oder eine Named-User-Lizenz nutzt. Lizenzpool-Lizenzen sind teurer, aber die Lizenznutzung wird dadurch flexibler und kann mehr Nutzer bedienen. Andererseits ist die Named-User-Lizenz auf den Nutzer gebrochen günstiger und sichert ihm Produktivität.

Pauschal einfach nur auf das eine oder andere zu setzen, ist weit weg von einer Lizenzoptimierung. Im Gegenteil, Lizenzoptimierung beginnt genau da – eine Organisation muss wissen, welche Art von Lizenz und welche Erweiterung für jeden einzelnen der Nutzer am sinnvollsten ist. Und dazu braucht es Daten.

Nutzungsdaten zur Optimierung von MATLAB-Lizenzen

Zur Lizenzoptimierung von MATLAB-Lizenzen benötigt eine Organisation also zunächst einmal Nutzungsdaten. Wer benötigt aus welcher Abteilung welche MATLAB und Simulink Lizenzen mit welchen Toolboxen? Wie häufig und wann nutzt er diese?

Um diese Fragen richtig zu beantworten, sind Einblicke in die Lizenznutzung der eigentliche Schlüssel zur Optimierung. Es geht also nicht nur um die Frage „Wer braucht die Lizenz“, sondern vor allem auch um die Frage „Wer nutzt die Lizenz“.

Solche Fragestellungen lassen sich durch Lizenzserver Logfiles beantworten. Es gibt zahlreiche Informationen, die hierbei ausgelesen werden können. Je nach Fragestellung gilt natürlich – je mehr Daten ausgewertet werden, desto komplexer kann die Auswertung werden, desto besser lassen sich Optimierungen anschließen.

Die grundlegendsten Nutzungsdaten von MATLAB, die für eine einfache Optimierung benötigt werden, sind die Peak-Belegung, also wann ein Softwareprodukt am häufigsten benutzt wurde, die Einzel-Toolbox-Nutzung, die Häufigkeit der Nutzung pro Nutzer und die Nutzungsdauer pro Check-out.

Mit diesen Daten erhält man eine erste Übersicht über die MATLAB-Nutzung der Organisation. Zum Beispiel lässt sich dadurch ablesen, welche MATLAB-Toolboxen nicht nur angeschafft, sondern auch genutzt wurden, und wie oft.

Kostenkontrolle durch Lizenznutzungs- und Toolbox-Optimierung

Umfangreiche Nutzungsdaten sind die Grundlage einer guten Optimierung. Aber wie lassen sich aus diesen Daten nun konkrete Maßnahmen zur Kosteneinsparung ableiten? Hierzu werden nicht nur Informationen zur Nutzung benötigt, es gehört auch ein grundlegendes Verständnis von MATLAB-Lizenzen und deren Einsatz innerhalb der Organisation dazu.

Peak-Strategie: Mieten statt Kaufen

In Organisationen, in denen während bestimmter Projektphasen die MATLAB-Nutzung entsprechend hochgeht, könnte beispielsweise das Mieten weiterer Lizenzen zur Deckung der Spitzenlast sinnvoll sein. Dafür aufgesetzte MATLAB Nutzungsberichte zeigen auf, wann die MATLAB-Auslastung in Projekten hochgeht und welche Toolboxen Engpässe erzeugen.

Durch Datenabfragen wie „Durchschnittliche Nutzung je Toolbox innerhalb eines bestimmten Zeitraums“ könnten Kandidaten ermittelt werden, bei denen eine Mietlizenz während bestimmter Projektphasen ausreichen würde. Die Abfrageregeln zu dieser Entscheidungslogik wären dann z.B. „Nutzung im Jahresmittel < 10%“ UND „Nutzung in einzelnen Monaten mit deutlichem Peak“.

So kann es zu einer Kostenreduktion kommen, wenn eine Organisation ihren fixen MATLAB-Lizenzbestand verringert und für den Peak-Bedarf zusätzliche Lizenzen mietet. Es kann aber auch sein, dass die Abschätzung der Peaks für die Organisation einen enorm hohen Zeitaufwand darstellt oder sie dabei kostspielige Fehleinschätzungen macht, so dass sie in Relation zu den Einsparungen durch das Mieten eigentlich gar nicht so viel einspart.

Lizenzmanagement-Optimierung: Eine komplexe Strategie

Es ist für größere Organisationen auf jeden Fall sinnvoll, ihren Peak-Bedarf an Softwarelizenzen rechtzeitig zu erkennen. Ebenso wichtig ist aber auch, sich darüber im Klaren zu sein, dass professionelles Lizenzmanagement nichts ist, was eben mal so nebenbei gemacht werden kann.

Eine Unterlizenzierung bedeutet, dass Ingenieure ihrer Arbeit nicht vollumfänglich nachgehen können, was die Produktivität der Organisation herabsetzt. Eine Überlizenzierung bedeutet, dass eine Organisation für etwas zahlt, was sie nicht einmal benötigt. Und die goldene Mitte zu finden ist anspruchsvoller als es womöglich aussieht.

Ein Beispiel: Erfahrungsgemäß sind viele Lizenzen einfach nur deshalb „in Nutzung“, weil sie sicherheitshalber vom Nutzer gezogen wurden, ohne dass er die Software überhaupt richtig nutzt (Stichwort Handtuch-Mentalität). Oder der Anwender vergisst, die Software zu schließen. Um die Lizenznutzung richtig auszuwerten, benötigt es also auch ein Verständnis der Anwender.

Warum Lizenzmanagement-Eigenbau ein Eigentor ist

Der Trend zum Kosten sparen geht durch alle Branchen und Bereiche. So liegt es für viele Organisationen nahe, weniger Dienstleistungen zu nutzen und es stattdessen selbstzumachen. Was theoretisch auch geht, die eigentliche Frage dahinter ist nur – spart das auch wirklich Kosten?

Es gibt zwei Ansätze, eine Lizenzmanagement-Eigenlösung für MATLAB aufzusetzen. Variante eins ist, man programmiert nur das Nötigste zur automatisierten Datensammlung und wertet anschließend alles aus. Variante zwei, man programmiert eine wesentlich umfangreichere Lösung, welche gezielte Abfragen macht und eventuell sogar in die Business Intelligence (BI) einspielt.

Schauen wir uns beide Lösungen einmal genauer an.

Die einfache MATLAB Lizenzmanagement Eigenlösung

In dieser technisch „einfacheren“ Variante werden per Script automatisiert die FlexLM-Logfiles gesammelt und zur Auswertung anschließend in Excel-Tabellen importiert. Dies ist nicht nur enorm zeitaufwändig, es macht das Ganze auch fehleranfällig.

Die Rohdaten mussten manuell bereinigt werden, beispielsweise durch die Zuordnung von Nutzern, die das Unternehmen bereits verlassen haben. Es gibt nur einen begrenzten Analysefokus, da sich die Auswertungen in einem solchen Fall auf die MATLAB Hauptlizenzen beziehen und nicht alle Toolboxen berücksichtigen können.

Hinzu kommt die fehlende Transparenz von laufenden Lizenzprozessen. Durch den hohen Aufwand ist das keine regelmäßige Einsicht ins Lizenzmanagement, sondern eine Jahresauswertung, welche zeitnahe Reaktionen auf Nutzungsänderungen ausschließt.

Die komplexe MATLAB Lizenzmanagement Eigenlösung

Geht man das die Eigenlösung zur Lizenzauswertung von MATLAB komplexer an und möchte auf manuelle Excel-Auswertungen verzichten, so genügt die Erfassung von Rohdaten aus FlexLM nicht.

Das Ziel ist die Generierung strukturierter Daten aus den Logfiles mittels Parsing und ETL, beispielsweise mit einem Phyton-Script, welches in einem bestimmten Zeitintervall, z.B. jede Stunde läuft. Das Mapping beinhaltet Felder wie unsername und feature.

Im nächsten Schritt werden diese Daten fürs Data Warehouse (DWH) modelliert, die Key-Performance-Indicators (KPI) bestimmt und für die BI Regeln entsprechend der Entscheidungs-Logik zur Kostenkontrolle der Lizenzen festgelegt.

Die komplexe Variante bedeutet zwar weniger manuelle Auswertung, jedoch wesentlich mehr Aufwand zur Erstellung. Hier kann man schon zwischen 15-25 Tagen Arbeitszeit für die Initialisierung rechnen, wozu dann noch die Wartung kommt. Dies bezieht sich auf Änderungen am Schema, Behebung von Bugs oder auch Anpassungen wegen Aktualisierungen oder sonstigen Änderungen an der Mathworks Produktpalette.

Das eigentliche Problem von Eigenlösungen

ABER: Für Unternehmen, deren Kernkompetenz in der Entwicklung und Herstellung von Produkten liegt, bedeutet Eigenentwicklung und Pflege eines Software-Lizenzmanagers ein hohes Risiko. Es bindet knappe und teure IT Ressourcen und – was ist, wenn das Knowhow das Haus verlässt?

Lohnt sich Lizenzmanagement für MATLAB wirklich?

Wir fassen zusammen. Die MATLAB Lizenzmodelle sind komplex, die Verträge variabel, die Toolboxen in Summe und teils auch einzeln sehr teuer. Es gibt verschiedene Ansätze zur Optimierung der MATLAB Lizenzen – eine reine Lizenzinventur und einfache Maßnahmen aus dem Softwaremanagement reichen hier aber nicht aus.

Um Lizenzen für Software wie MATLAB zu optimieren, benötigt es Nutzungsdaten. Nur so lassen sich ungenutzte Lizenzen aufspüren, Lizenzengpässe je Toolbox identifizieren sowie gezielt passende Lizenzmodelle für die einzelnen Nutzer festzulegen.

Je mehr Nutzungsdaten vorliegen, desto klarer wird das Optimierungspotential. Genauso wächst damit aber auch der Aufwand zur Generierung dieser Daten – entweder bei der Auswertung oder bei der Programmierung. Hierfür gibt es aber auch spezialisierte Softwarelösungen, die sich genau auf diese Themen spezialisiert haben.

Fazit: Durch gezieltes Lizenzmanagement lassen sich bei MATLAB enorme Einsparungen machen, vorausgesetzt, die Konfiguration passt und man steckt nicht zu viel eigenen Aufwand hinein.

Außerdem – ein optimiertes Lizenzmanagement sichert nicht nur die finanzielle Effizienz und die Optimierung des Return on Investment (ROI). Sie gewährleistet auch die notwendige Verfügbarkeit der Softwaretools und sichert somit die Produktivität der Ingenieure beziehungsweise Wissenschaftler.